{"id":10734,"date":"2026-01-21T17:02:41","date_gmt":"2026-01-21T16:02:41","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.harald-bluechel.com\/?post_type=product&#038;p=10734"},"modified":"2026-05-15T23:18:34","modified_gmt":"2026-05-15T21:18:34","slug":"electric-chamber-music","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/shop\/werke\/electric-chamber-music\/","title":{"rendered":"Electric Chamber Music"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Stu\u0308cke auf \u201eElectric Chamber Music\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der abschlie\u00dfende dritte Teil \u201eelectric chamber music\u201c fasst sechs von einander unabha\u0308ngige Projektarbeiten zusammen, die zwischen 1999 und 2004 entstanden und abgeschlossen worden sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A: Mit Haut &amp; Haar (5 Stu\u0308cke fu\u0308r Klavier, 1999)<\/strong><\/p>\n<p>Musik zum gleichnamigen Dokumentarfilm von Martina Do\u0308cker &amp; Crescentia Du\u0308nsser (ZDF\/ARTE, 1999).<br \/>\nSechs alte Frauen mit unterschiedlicher geographischer und sozialer Herkunft erza\u0308hlen ihre privaten Geschichten des abgelaufenen Jahrhunderts. Das Geda\u0308chtnis, aus dem sie dabei scho\u0308pfen, ist ihr Ko\u0308rper, ihr Geist, ihre Seele. Aus Kindheitserinnerungen, die unmittelbar am Ko\u0308rper haften, aus Erinnerungen an die Zeit des zweiten Weltkrieges und schliesslich aus den Gedankenbruchstu\u0308cken u\u0308ber Alter und Tod entstehen in Kombination mit Kamerafahrten u\u0308ber die Ko\u0308rper der Portra\u0308tierten unverwechselbare \u201eLandschaften von gelebter Zeit \u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B: Schisma (5 Klangzusta\u0308nde, 2004)<\/strong><\/p>\n<p>1991 hatte ich Musik fu\u0308r Sylvia Kirchhofs Kunst-Video \u201eDie Fliegenklatsche\u201c komponiert. Der Film basiert auf Super-Acht-Dokumentationsmaterial u\u0308ber zwo\u0308lf manisch depressive Patienten. Bei der Arbeit registrierte ich damals fast belustigt, wie leicht es mir fiel, das, was ich sah, in klangliche Zusta\u0308nde u\u0308bersetzen zu ko\u0308nnen. Als ich gute zehn Jahre spa\u0308ter im Zusammenhang mit \u201ecaged\u201c wieder auf das Thema zuru\u0308ck kam, realisierte ich das, was ich damals nonchalant eher als inspirierendes Spiel erlebt hatte, als das, was es wirklich gewesen war: eine unbewusste Identifikation, ein Nachvollziehen-Ko\u0308nnen, eine Erinnerung und ein Wieder-Erleben von eigenen seelischen Zusta\u0308nden. 2004 bearbeitete ich unter dem Einflu\u00df der gewonnenen Erkenntnisse fu\u0308nf dieser Klangbilder neu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>C: Cibo Matto (Klanggedicht fu\u0308r Stimme und Ru\u0308ckkopplung, 2000)<\/strong><\/p>\n<p>Text &amp; Stimme: Sabine So\u0308lbeck cibo matto<\/p>\n<p>lehnen die ru\u0308cken weich<br \/>\nan den quadraten der ledernen polsterung<br \/>\nund da\u0308mpfen die laute der strasse, die<br \/>\ndas fensterglas lebendig widerspiegelt.<\/p>\n<p>heben die ha\u0308nde die gla\u0308ser zum mund<br \/>\nheben die ha\u0308nde knieend die gla\u0308ser zum mund<br \/>\nzum mund<br \/>\nund der mund nimmt<br \/>\nder mund nimmt das su\u0308sse liquid<br \/>\ndas su\u0308sse<\/p>\n<p>su\u0308sse zur wiegenden melodie<br \/>\nwiege dich<br \/>\nzur wiegenden melodie<\/p>\n<p>so mo\u0308gen alle sinne die nacht<br \/>\ndie uns einatmet<br \/>\natmet und wir sie. und<br \/>\nwir ihren spiegelnden glanz<br \/>\naus lichtern,<br \/>\naus farben<br \/>\naus melodie<br \/>\naus<\/p>\n<p>ausweg<br \/>\nbewegung<br \/>\nregung<br \/>\nmoment<\/p>\n<p>mo\u0308gen alle sinne die nacht<br \/>\ndie uns auf den weg bringt<br \/>\nin die wa\u0308rme<br \/>\nin das zuckende licht<br \/>\nin die zweisamkeit aus der einsamkeit<br \/>\nin die einsamkeit aus der zweisamkeit<br \/>\nin das trotzige tam-tam der stadt<br \/>\ntam-tam<br \/>\ntam-tam<br \/>\num anzuhalten das gewo\u0308hnliche<br \/>\num festzuhalten das aussergewo\u0308hnliche<br \/>\nausser zweifel<br \/>\naus<\/p>\n<p>ausweg<br \/>\nbewegung<br \/>\nregung<br \/>\nmoment<\/p>\n<p>nur der ausschnitt einer beobachtung<br \/>\nins auge gefasst die nacht, die zeitlos<br \/>\nmenschenleiber transportiert<br \/>\nvorbei in der mitte auf schienen geordnet in schalensitzen<br \/>\nund weiter rechts ko\u0308rper<br \/>\nim doppel- oder viererpack<br \/>\nim blechwrack<br \/>\nvorbei am verzerrenden milchglas<br \/>\nohne einzukehren ins konkrete arrangement eines stils<br \/>\nnicht ku\u0308hl noch warm<br \/>\naber direkt-scharfsinnig<\/p>\n<p>scharf<br \/>\nku\u0308hl<br \/>\nwarm<br \/>\ndirekt<\/p>\n<p>oder um einzukehren<br \/>\nkonkret platz zu nehmen<\/p>\n<p>die ha\u0308nde zum mund zu fu\u0308hren<br \/>\nund sprache zu teilen<br \/>\nund blicke<br \/>\nund lachen<br \/>\nund liebe<br \/>\nzur flamme auf dem tisch<br \/>\nflammen.<\/p>\n<p>am fensterglas wieder laufen beine und ko\u0308rper in zweierlei richtungen vorbei<br \/>\nsich zug um zug fortbewegend auf der nassen nachtstrasse<br \/>\nund in ihr die lichter tausendfach gebrochen<br \/>\nzu\u0308ngelt die flamme im warmen schein am milchglas empor<br \/>\nnimmt es die regung auf<br \/>\nund es mag die su\u0308nde<br \/>\nstottert die flamme ein gebet zum milchglas das erho\u0308rt wird<br \/>\nund das spiel wird reger.<\/p>\n<p>ha\u0308nde schieben vorha\u0308nge auseinander<br \/>\nbahnen sich neue wege, um zu teilen<br \/>\nblicke<br \/>\nlachen<br \/>\nliebe<br \/>\nschaut die flamme in die nacht<br \/>\ndarf zu\u0308ngeln und im moment unsere lippen befeuchten.<\/p>\n<p>im morgengrauen<br \/>\ngrauen<br \/>\ngrau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>D: Memory (Musik fu\u0308r Streichquartett, 2000)<\/strong><\/p>\n<p>MEMORY &#8211; eine Videooper von Otto Kukla \/ Theater Neumarkt Zu\u0308rich, 2000 gespielt vom AMAR QUARTETT.<\/p>\n<p>Anna E. Brunner: Violine &#8211; Lorenz Gamma: Violine &#8211; Hannes Ba\u0308rtschi: Viola &#8211; Maja Weber: Violincello<\/p>\n<p>(&#8230;) Es braucht einen Motor, der immer wieder antreibt. Zwischen Videowa\u0308nden und Mikrofonen sitzt aufgereiht das Amar-Quartett. Harald Blu\u0308chel hat fu\u0308r die vier jungen Streicher eine packende Musik geschrieben. Bruchstu\u0308ckhaft ist sie, repetitiv und expressiv, sie schwillt an, stirbt ab, pathetisch und komisch. Das Cello rattert maschinenhaft, die Geigen to\u0308nen spitz, hell und grell. Die Musik ist der Herzschlag der Auffu\u0308hrung.(&#8230;)<\/p>\n<p><em>Peter Mu\u0308ller, Neue Zu\u0308richer Zeitung 01.07.2000<\/em><\/p>\n<p>(&#8230;)Zwischen Jung und Alt, zwischen die Wirklichkeit unten und die oben hat Otto Kukla, der fu\u0308r Regie, Bu\u0308hne und Video verantwortlich zeichnet, einen Strom aus Musik fliessen lassen. Sie treibt, pocht wie ein Pulsschlag, hektisch fast, dann wieder sanft: ein faszinierender Soundteppich a la Michael Nyman als Unterton dreier Biographien, in den immer wieder ein, zwei Motive eingewoben sind &#8211; Echos eben wie im wahren Leben. Harald Bluechel alias Cosmic Baby, der auf dem Weg zum Konzertpianisten die elektronischen Kla\u0308nge fu\u0308r sich entdeckte, hat fu\u0308r das Zu\u0308richer Streichquartett Amar die \u201eMemory\u201c-Partitur komponiert. Die vier mehrfach ausgezeichneten jungen Musikerinnen und Musiker sitzen zwischen Screens und Schauspielern, ein Cellostrich kommentiert die Erinnerung an \u201eGrossmammachen\u201c und ihren Terrier, das Rasen des Quartetts bebildert den Bombenhagel, durch den die Flucht zum rettenden Bunker ein Albtraum wurde.(&#8230;)<\/p>\n<p><em>Alexandra M. Kedves, Tages Anzeiger, Zu\u0308rich 01.07.2000<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>E: Zoltan Vargas &#8211; Serie 1 (4 Klangstu\u0308cke, 2001)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Traum im Zug<\/strong><br \/>\ndie nacht raucht ihre letzte zigarette<br \/>\nvor der da\u0308mmerung.<br \/>\nan einem fensterplatz im \u201ehungaria\u201c budapest-berlin<br \/>\nerwache ich aus einem traum.<br \/>\n<strong>Praha 1968<\/strong><br \/>\nkundera im kopf<br \/>\nklopft im heissen prag 1968<br \/>\nflimmernder sozialismus<br \/>\nmit menschlichem antlitz<br \/>\n<strong>Schwarze Pumpe<\/strong><br \/>\nrostige giganten<br \/>\nverenden<br \/>\nwie auf den ru\u0308cken gelegte insekten<br \/>\nauf verwundeter, schwarzer landschaft.<br \/>\n<strong>Die Schachnovelle<\/strong><br \/>\nacht zum quadrat<br \/>\nim dunklen raum<br \/>\nblind &#8211; simultan<br \/>\nsonst nichts<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F: Die Frau vom Meer (Musik fu\u0308r Sopran, Countertenor und Harddiskrecording, 2003)<\/strong><\/p>\n<p>Die Frau vom Meer von Susan Sontag nach dem gleichnamigen Stu\u0308ck von Henrik Ibsen. Bu\u0308hne &amp; Regie Otto Kukla. Theater Neumarkt Zu\u0308rich, September 2003<\/p>\n<p>Sopran: Gerlinde Sa\u0308mann &#8211; Countertenor: Florian Mayr<\/p>\n<p>(&#8230;) Es geht um individuelle Vorstellungen von Menschen, es geht um deren Lebensentwu\u0308rfe, die Frage nach Freiheit und Wahl: wie mo\u0308chte ich leben, was ist Glu\u0308ck, was ist Liebe, was bedeutet Freiheit fu\u0308r mich. Und wie sind diese Vorstellungen vereinbar mit denen der Anderen. Im Stu\u0308ck prallen die Lebensentwu\u0308rfe von Hartwig und Ellida aufeinander. Sie hat das Brackwasser (also Hartwigs Lebensentwurf und Erwartung an Ellida) gewa\u0308hlt und versucht, zu dieser Wahl zu stehen &#8211; gleichzeitig hat sie sta\u0308ndig den nicht mehr realisierbaren oder in der Realita\u0308t nicht realisierten Wunsch nach dem freien Meer: nach Offenheit, Unendlichkeit, eine Sehnsucht, die sich nicht logisch formulieren la\u0308sst.<br \/>\nDie kapitalistische Bewusstseinsindustrie hat sich angeschickt, Lebensentwu\u0308rfe gleichzuschalten. Menschen werden dazu abgerichtet, in einer Art \u201eseelischen Klimaanlage\u201c zu leben. Alles soll sich quasi in voreingestellten Funktionstemperaturen abspielen. Es geht um Simulation von wahren Gefu\u0308hlen mit zwei Hauptmotiven: erstens wird das individuelle Leben zum \u201eMarkt\u201c. Wenn man den zum Klienten umgeformten Menschen erst einmal soweit hat, das er \u201efreiwillig\u201c davon u\u0308berzeugt ist, ohne seelische Klimaanlage nicht mehr glu\u0308cklich sein zu ko\u0308nnen, bleibt ihm gar nichts anderes mehr u\u0308brig, als seine perso\u0308nlichen Bedu\u0308rfnisse innerhalb dieses Systems aufgehoben zu sehen und an dessen aufgestellte Wertma\u00dfsta\u0308be zu glauben. Damit direkt verbunden ergibt sich zweitens eine gewollte Kontrolle und Abha\u0308ngigkeit, denn der Produzent entscheidet ja in Wirklichkeit, was zu welchem Preis \u201eauf dem Markt\u201c zu haben sein wird (und was nicht!). Im Stu\u0308ck ist die Figur des Arnholm ein passendes Rohmodell mit seiner \u201ees ist ganz einfach, das Leben, wenn man weiss, was man will\u201c &#8211; Pseudophilosophie der (Schein-) Souvera\u0308nita\u0308t. Dieses \u201eIch wei\u00df, was ich will\u201c &#8211; Stereotyp des selbstbewusst-erfolgreichen Homo O\u0308konomicus ist in meinen Augen nichts anderes als die bedingungslose Verinnerlichung der systemischen Vorgaben. Biografien ohne innere Widersta\u0308nde, Bru\u0308che, Zweifel und Abgru\u0308nde sind immer postulierte, \u201edesignte\u201c und konforme Biografien. Die Figur der Ellida dagegen kann nicht anders, als an ihrem perso\u0308nlichen Entwurf festzuhalten. Sie fu\u0308hlt, dass die ihr angebotenen Rollenmodelle sie nicht glu\u0308cklich machen ko\u0308nnen. Und bezahlt einen hohen Preis: sie steht vor sich selbst und den Anderen als undankbar, unnormal, verru\u0308ckt, krank, egoistisch, neurotisch und ent-wertet da. Es ist unter den Bedingungen unserer Realita\u0308t geradezu ein \u201eStandortnachteil\u201c gegenu\u0308ber jemandem, der in permanenten 19 Grad Celsius seelisch klimatisiert durchs Leben geht. (&#8230;)<\/p>\n<p><em>Aus einem Interview mit Monika Gysel und Mats Staub, Zu\u0308rich im September 2003<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Electric Chamber Music &#8211; Zauberberg Trilogie Teil III<\/p>\n","protected":false},"featured_media":10700,"template":"","meta":[],"artist":[566],"product_brand":[],"product_cat":[32],"product_tag":[],"class_list":{"0":"post-10734","1":"product","2":"type-product","3":"status-publish","4":"has-post-thumbnail","6":"artist-harald-bluechel","7":"product_cat-cd","9":"first","10":"instock","11":"taxable","12":"shipping-taxable","13":"purchasable","14":"product-type-simple"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product\/10734","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/product"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product\/10734\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10700"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10734"}],"wp:term":[{"taxonomy":"artist","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/artist?post=10734"},{"taxonomy":"product_brand","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product_brand?post=10734"},{"taxonomy":"product_cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product_cat?post=10734"},{"taxonomy":"product_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.harald-bluechel.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/product_tag?post=10734"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}