MEIN GELBES NOTIZBUCH #18, „STELLAR SUPREME“ WIRD 25

I

Heute feiere ich den Geburtstag von „Stellar Supreme“, meinem ersten Solo-Album, das vor exakt 25 Jahren am 1.November 1992 veröffentlicht worden ist.

Wenn ich meine Augen schließe, dann sehe ich einen mit Glück vollgestopften jungen Mann im Wunderland. Das Wunderland war eine kleine aber helle Einraumwohnung mit Ofenheizung in Kreuzberg, Wiener Straße/Hinterhof; ein Bett, ein Bücherregal, ein Schreibtisch und meine Lieblinge, mit denen ich in Wohn- und Lebensgemeinschaft aufs engste verbunden war:

eine 101, eine 303, eine 606, eine 909, einen Juno 106, einen JX1 und einen JD 800 (allesamt von Roland). Dazu einen EMU – Emax, eine Yamaha CS40M und einen Akai S1000.

Hier entstanden die Kompositionen für „Stellar Supreme“, die in der Summe all die seelischen Facetten meiner damaligen Existenz musikalisch auf den Punkt bringen konnten:
Das, was ich war, stimmte mit dem überein, was ich sein wollte; es war ein OHNE-WENN-UND-ABER-VERLIEBT-SEIN in die Zeit. Ein herausragender Glücksfall, der in dieser Vollständigkeit nur in den allerseltensten Momenten eines Lebens erlebt werden kann.

 

 

II

Kein Künstler, kein Werk kommt aus dem Nichts. So überraschend ein Publikum ein Werk findet, so schnell die Medien mit Schlagworten wie „Shooting-Star“, „geniales Album Debüt“ oder „Benchmark“ bei der Hand sind: es steckt immer eine (lange) Geschichte dahinter.
In meinem Fall 29 Jahre, von denen sich immerhin etwa 25 im Zusammenhang mit Musikmachen abgespielt haben.
Ein so genannter „großer Wurf“ setzt sich aus vielen einzelnen Elementen zusammen, die dann in einer Idealkonstellation miteinander reagieren und eine komplexe Kettenreaktion ausführen. Plötzlich entsteht eine Situation, in der persönliche Befindlichkeiten und Fähigkeiten, konzeptionelle Vorstellungen, vertriebs- und produktions-technische Möglichkeiten, emotionale und gesellschaftliche Umstände auf ungeahnt glückliche Weise zusammen treffen. Im Sommer 1992 war alles da, was ich dazu brauchte.

Ich zog in Jens Woynars`s Studio in Berlin Tempelhof und verließ es in den kommenden Wochen meist nur, wenn ich an den Wochenenden Auftritte hatte. Die Auftritte wiederum waren unglaublich wichtig für die Studioarbeit an den Stücken, da ich das, was ich live ausprobiert und erlebt hatte, dann direkt in Komposition und Mix einfließen lassen konnte. Auf „Stellar“ manifestiert sich das Spektrum meiner damals musikalisch ausdrückbaren Möglichkeiten.

III

Niemals wäre „Stellar Supreme“ so geworden ohne: KAA – wegen ihrer Liebe, ihrer Schönheit, ihrer Wahrhaftigkeit und ihrer Inspiration  –, JENS WOYNAR – wegen seiner fantastischen Studioarbeit, durch die das technische Niveau und die Stilbildende Klangästhetik der Stücke realisiert werden konnte– und WOLFGANG RAGWITZ  – wegen seiner seiner begnadeten Fähigkeiten als Tonmeister, die den Klang noch besser, vor allem aber meine Vorstellung von einem durchgehenden Album erst möglich gemacht haben.

IV

Heute halte ich also inne und bin dankbar dafür, dass ich diese Zeit und alle meine Zeiten so erleben durfte, wie ich sie erlebt habe. FÜNFUNDZWANZIG JAHRE SIND KEIN TAG, so kommt es mir vor. Und gleichzeitig scheint mancher Tag länger als fünfundzwanzig Jahre zu sein.
Wer ich heute bin, war ich schon damals und gleichzeitig bin ich heute ein ganz anderer. Manche Dinge kann man gerade nur deshalb machen & erleben, weil man noch recht wenig vom Leben weiß;
andere Dinge dagegen brauchen die immensen Erfahrungen, Irrungen, Wirrungen, Selbst-Enttäuschungen und Entdeckungen als Vorbedingungen, um sie überhaupt wahrnehmen, denken und dann tun zu können.

Cosmic spielte Juno & seine 909, Harald spielt auf dem Flügel … bei beiden gleich das Motiv:
die Freude am Sprechen in Tönen.