Ausgewählte Zitate – Cosmic Baby 1991-1998

Ausgewählte Zitate – Cosmic Baby  1991-1998

 

Wir stehen am Anfang einer neuen, globalen Spielwiese, auf der Emotion und Phantasie mit Hilfe der Elektronik die gesamte Kultur in Zukunft verändern wird.

(Tip, Juli 1991)

 

Ist es nicht ein unglaubliches Phänomen, dass Dich eine 909-Bassdrum in Verbindung mit einem klaren Sinuston von einer Sekunde auf die andere in eine völlig neue Welt katapultieren kann? Seit den Zeiten eines Jimi Hendrix mit seinen wahnsinnigen Feedbacks auf der Gitarre ist so etwas wohl nicht mehr passiert!!!

(Radio-Interview, DT64 mit Marcos Lopez, Dez 1991)

 

Meine Musik ist eine Bestandsaufnahme der Welt, so wie ich sie erlebe, verarbeite und schließlich wieder nach außen abgebe. Wunderbar ist es, wenn sie jemand dazu benutzen kann, seine eigene Welt schöner zu machen.

(Frontpage Feb. 1992)

 

Händel oder Mozart waren zu ihrer Zeit „Party-Musiker“. Die Leute hatten ihren Spaß daran, weil sie sowohl funktional als auch inhaltlich genial war. 1992 gibt es statt des Wiener Hofes eben den „Tresor“ oder das „Omen“.

(Frontpage Feb. 1992)

 

 

Nicht die Formen, sondern nur die Inhalte können reaktionär sein.

(Frontpage Feb. 1992)

 

Mich interessieren die Grenzbereiche der menschlichen Existenz. Es ist weniger das Überprüfbare, das Messbare, was anturnt. Ich lebe, mache Erfahrungen, handle und bin gespannt, wie sich die Dinge entwickeln. In der Mythologie und den fernöstlichen Kulturen, z.B. dem Taoismus wurden viele Erkenntnisse über Trance-Zustände gewonnen: Das Gesamte wurde intuitiv betrachtet und nicht zerstückelt und einzeln für sich analysiert. Erst in den letzten Jahren sind auch wir wieder darauf gekommen, dass in einer universellen Ordnung Alles mit Allem zu tun hat, zusammen konfiguriert und sich gegenseitig rückkoppelt. Unnatürliche Eingriffe in ein System ergeben kein echtes Wissen, sondern sind eher destruktiv-willkürlich. Musik funktioniert ebenfalls in großen Gefühlsblöcken und nicht in seriellen Einzelevents.

Wir sollten wieder mehr auf die Erde zurückkommen und uns mit globalen ökologischen wie humanen Inhalten beschäftigen. Es gibt hier noch viel zu entdecken. Nimm etwa den Delphinforscher John Lilly, der seit Ende der fünfziger Jahre versucht, ihr Verhalten zu studieren. Wale und Delfine sind für mich die tollsten Lebewesen, da sie ihre Intelligenz und Kommunikation nie zerstörerisch benutzen. Sie sind als Säugetiere bewusst ins Wasser zurückgegangen. Sie sind für mich die ideale Metapher für ein universelles Bewusstsein.

(Zitty, Juni 1992)

 

Rausch, Ekstase, das Gefühl, in diesem Moment alle, die im Raum sind, umarmen zu können: wie können wir es schaffen, aus diesem Erlebnis in eine selbstverständliche Lebenshaltung zu machen?

(Tempo, Nov92)

 

J.S.Bach, Buddha, J.P. Sartre, Robert Wilson, I. Stravinsky, Eric Satie, Kasimir Malewitsch, F. Cappra, Milan Kundera, Heisenberg, Einstein, Claude Debussy, Michael S. Gorbatschow, Marilyn Monroe, Max Frisch, Kraftwerk, etc. pp:

Alles, was mich jemals in meinem Leben berührt hat, fließt in meine Persönlichkeit ein. Ideen, Gedanken, Erlebnisse sind wie metaphysische Samples und unsere Speicherkapazität ist doch sooo groß!!!

(„Techno“, Philipp Anz und Patrick Walder, Verlag Ricco Bilger, Zürich 1995)

 

Am Anfang einer Bewegung sind die Leute bewusst dabei; es ist, als würde man auf dem Weg sein, eine neue Welt zu erschaffen. Die Menschen, die man in dieser Phase kennen lernt, scheinen Deine geistesverwandte Schwestern und Brüder zu sein. Dieses Gefühl lässt ein unglaublich starkes Potential an Power und Kreativität frei werden.

(Cut, 1993)

 

Ich glaube, oft sind es diejenigen Leute, die Dich erst in allerhöchsten Superlativen feiern, die dann auch wieder die ersten sind, die Dich zerstören wollen.

(Max, 1994)

 

I`m not a political composer, but I`m a political person

(Mixmag, Feb 1994)

 

Techno –Musik sollte als die Summe aller mit Hilfe der elektronischen Klangerzeuger gemachten Musik definiert werden. Jeder Stil hat seinen Gegenstil und die Auseinandersetzung damit ergibt womöglich wieder eine neue Idee… Ich spüre in letzter Zeit die Tendenz zu einer Standarlisierung bzw. dumpen Trennung der Stile. Es gibt in verstärktem Maß Instanzen, die sich anmaßen, bestimmen zu wollen, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Wir leben scheinbar wirklich im „Mittelalter“ der elektronischen Musik und ich fühle mich geehrt, in diesem Zusammenhang als schöngeistiger Renaissance-Künstler verteufelt zu werden.

(Raveline, September 1994)

 

My music is characterized by doing harmonies first and then adding the beats. I`d say, that most techno artists work in a reverse fashion.

(College Radio LA, Oct 94)

 

Im negativen faszinierend finde ich das Ultrakurzzeitgedächtnis vieler Teile der (Techno-) Medien und ihrer Rezipienten: nicht die Stichhaltigkeit einer Aussage scheint das Kriterium zu sein, sondern die Macht, die hinter demjenigen steht, der seine Aussagen jederzeit an die gegebenen Situationen anpasst.

(Raveline, September 1994)

 

Ich würde mich tierisch eingeschränkt und unterfordert fühlen, wenn ich mir künstlerisch nichts neues vornehmen würde als eine gute neue Techno-12″ zu produzieren. Für einen Zeitraum verliefen die Entwicklung der Techno-Kultur und die meiner eigenen Musik wunderbar zusammen: sie hatte Platz darin. Mittlerweile, kann ich vieles davon nicht mehr im Techno-Kontext realisieren, so dass ich mir neue Felder und Formen suchen muss.

(Prinz-Stuttgart, Feb 96)

 

So wie sich deine Persönlichkeit verändert, verändert sich auch dein Sound.

(Partysan, April 1995)

 

Ich muß hier sehr klar zwischen Inhalt und Form des Begriffs (Trance) unterscheiden: nur weil ein Begriff trend- und pressemäßig überfrachtet und künstlerisch auf billigste und groteskeste ausgebeutet worden ist, muss die inhaltliche Philosophie und die Intention nicht ebenfalls über Bord geworfen werden … Die rein formale Geste hat mit der qualitativen Intention doch gar nichts zu tun.

(Partysan, Feb 96)

 

Mich hat immer gereizt, was es nicht gibt und was ich mir nicht erklären kann. Wenn ich existiere, dann lass mich träumen und das, wovon ich träume auch realisieren.

(Zürich, DRS – Radiointerview, Juli 95)

 

Selbstbewusstsein heißt: sich über sich selbst bewusst sein. Dinge, die ich mir wünsche zu tun, muss ich tun und es muss mir dabei egal sein, ob ich für eine gewisse Szene damit tragbar oder untragbar bin.

(Prinz-Köln, Jan 97)

 

Im Bewusstsein, an der Schwelle eines neuen Jahrtausends zu stehen, befällt mich das ambivalente Gefühl aus Vor- und Zurückschauen. Wir leben an einem komischen Schnittpunkt zwischen einer noch körperlichen, mit der Natur verhafteten und einer körperlosen, technologisch-digitalen (Um-)Welt. Zwischenmenschliche, durch den totalen Durchbruch des globalisierten Kapitalismus noch verschärfte Entwicklungen wie Vereinsamung, Verarmung, Xenophobie, sowie die ungebremste und auf Grund der ökonomischen Probleme in den Hintergrund gerückte globale ökologische Katastrophe machen mir Angst. Gleichzeitig liebe ich die noch vor zwei Jahrzehnten ungeahnten Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung, die mir diese Zeit bietet. Letztendlich bin ich Beobachter und gleichzeitig Handelnder in einer sich immer rasend schneller verändernden Welt; die Zukunft: auf prickelnd grausige Art offen!

(Nov98, Joy)

 

Techno als Idee war Ausgangspunkt, um mich künstlerisch zu definieren. Aus der „Spielwiese“, wie ich es 1991 einmal definierte ist ein funktional durchorganisierter Freizeitpark geworden, in dem heutzutage schlicht Konsumbedürfnisse abgedeckt werden sollen. Meine Roots würde ich deshalb aber niemals verleugnen.

(Mai 98, Prinz Köln)

 

Ich sehe weiterhin keinen Grund, die Welt in ihrer Tendenz zu noch mehr Geschwindigkeit und Objektivierung mit genau diesen musikalischen Mitteln beschreiben zu wollen. Eher möchte ich die Leute dazu einladen, sich Zeit zu nehmen … denn Zeit ist meiner Meinung nach eines der echten Luxusgüter dieser Epoche.

(Mai 98, Prinz Köln)

 

Beide Events, die Du angesprochen hast, zeichnen sich durch eine Gemeinsamkeit aus: es sind beides hirnlose Massenspektakel. Ein Boxkampf ist heute vor allem ein TV-Spektakel-Konzept, das möglichst viele Werbeblocks verkaufen möchte. Ein Staatsbesuch von Bill Clinton ist eine Prestigeshow, die dem Volke den Glauben an das Funktionieren des Systems und das ihrer Führer symbolisieren soll. Diese Shows mit zeitgenössischen Soundtracks aufzuwerten, wäre ein neuer Baustein auf dem Weg in die „Schöne Neue Welt“, in der alles relativ, alles geil, alles Unterhaltung ist. Solche Veranstaltungen haben die Musik verdient, die ihnen gebührt: Melodic-Rock von Bon Jovi bzw. Marschmusik von der Bundeswehrkapelle. Ein Zentralhappening mit 7,5 Millionen real existierenden Arbeitslosen sollten wir mit unserer Musik unterstützen.

(Partysan Juni98)