Harald Blüchel hat für die vier jungen Streicher eine packende Musik geschrieben.
März – Juni 2000: eine schwere, schöne Geburt. Meine erste Arbeit für Streichquartett. Viele Ideen ausprobieren und verwerfen. Was in zweieinhalb Monaten nicht werden wollte, entsteht jetzt in einer Woche. „Memory“ gehört wie die Theatermusik zu „Die Frau vom Meer“ zu meinen besten Arbeiten insgesamt.
(…) Zwischen Jung und Alt, zwischen die Wirklichkeit unten und die oben hat Otto Kukla, der für Regie, Bühne und Video verantwortlich zeichnet, einen Strom aus Musik fliessen lassen. Sie treibt, pocht wie ein Pulsschlag, hektisch fast, dann wieder sanft: ein faszinierender Soundteppich a la Michael Nyman als Unterton dreier Biographien, in den immer wieder ein, zwei Motive eingewoben sind – Echos eben wie im wahren Leben. Harald Bluechel alias Cosmic Baby, der auf dem Weg zum Konzertpianisten die elektronischen Klänge für sich entdeckte, hat für das Züricher Streichquartett Amar die „Memory“-Partitur komponiert. Die vier mehrfach ausgezeichneten jungen Musikerinnen und Musiker sitzen zwischen Screens und Schauspielern, ein Cellostrich kommentiert die Erinnerung an „Grossmammachen“ und ihren Terrier, das Rasen des Quartetts bebildert den Bombenhagel, durch den die Flucht zum rettenden Bunker ein Albtraum wurde.(…)
(…) Es braucht einen Motor, der immer wieder antreibt. Zwischen Videowänden und Mikrofonen sitzt aufgereiht das Amar-Quartett. Harald Blüchel hat für die vier jungen Streicher eine packende Musik geschrieben. Bruchstückhaft ist sie, repetitiv und expressiv, sie schwillt an, stirbt ab, pathetisch und komisch. Das Cello rattert maschinenhaft, die Geigen tönen spitz, hell und grell. Die Musik ist der Herzschlag der Aufführung.(…)