About Obama, about corporate America

Yes-we can!!!“ Die große Frage, die ich mir stelle ist: WAS sollen wir denn können?

Den Komplex USA radikal verändern, oder ihn wenigstens reformieren, oder

Ihn kosmetisch aufhübschen, um alles so zu lassen, wie es ist?

 

In den Medien scheint derzeit niemand auf diese Frage zu kommen. Von „Bild“ und „Die Welt“ über die „Süddeutsche“ bis zur TAZ wird allenthalben ein „Messias“ gefeiert.

Da scheint ein Held geboren zu sein, bevor er überhaupt irgendetwas getan hat.

 

Das macht mich hellhörig. Das gesamte Establishment huldigt da – wie eigentlich immer in den letzten zwanzig Jahren – unisono. Doch soviel rhetorischer „Change“ war nie! Warum eigentlich? Haben Knall auf Fall alle eingesehen, dass es mit dem Kapitalismus so nicht mehr weiter gehen kann? Immerhin steht „Der Westen“ mit seiner Führungsmacht definitiv an seinem bisher kritischsten Punkt: die auf seiner militärischen und ökonomischen Dominanz basierende Weltordnung steht auf der Kippe, sie droht sowohl außen- als auch innenpolitisch zu erodieren.

Was tun? Den Aufbruch in eine neue Zeit wagen oder einfach „retten, was noch zu retten ist“?

 

Was würde ich tun, wenn ich zu denen gehörte, die höchstes Interesse am Fortbestand der herrschenden Zustände hätten, obwohl die Karre komplett in den Dreck gefahren ist?

Ich würde versuchen, Druck aus dem Kessel zu nehmen.

Ich würde beschwichtigen.

Ich würde auf Zeit spielen.

Ich würde so tun, als ob ich Fehler gemacht hätte, aus denen ich nun bereit bin, zu lernen.

Ich würde Versprechungen machen.

Ich würde möglichst viel reden und möglichst wenig tatsächlich ändern.

Ich würde die Kritiker so inflationär öffentlich reden lassen, dass sie dem Publikum nach kürzester Zeit zu den Ohren herauskommen.

Ich würde möglichst viel Geschrei inszenieren und symbolische Akte (Rücktritte, Rochaden, Gesetzesinitiativen) generieren und darauf hoffen, dass sich der Rauch dann langsam verzöge.

Ich würde mir wünschen, dass es für die Allgemeinheit den Anschein hätte,

ich würde meine (Macht- und Einfluss-) Positionen räumen, de facto aber nach kurzer Zeit noch stärker dastehen wollen als zuvor!

 

Es scheint mir ausgesprochen naiv zu glauben, die Flügelzange aus Rüstungs-/ Auto- / Öl-/ Pharma-und Finanzindustrie (um nur die augenscheinlichsten Kräfte zu nennen) würden von heute an einfach die Welt Welt sein lassen, unter dem Motto: „o.k., wir werden reu- und demütig akzeptieren, was immer ihr liebes demokratisches Volk von nun an gedenkt zu entscheiden“…

 

Klartext: Kandidat für das US-Präsidentenamt und erst Recht amerikanischer Präsident wird man nur in Übereinstimmung mit den Mächtigen!

Und wenn das so ist: was bleibt dann von dem überall herausposaunten „Change“?

„What can we can“?? Nehmen wir den Fall an, Obama tue nur so, als ob er das Spiel als sympathische Fassade einer hässlichen Fratze mitspielen wolle und würde bei Machtantritt, die Maske fallen lassen, um das System wirklich zu verändern, hoffend auf die Unterstützung der amerikanischen Volksmehrheit. Wie viele Tage würde er das überleben? (Da sind schon andere Präsidenten, Politiker und Bürgerrechtler wegen etwas weniger eliminiert worden…).

 

Ich wage zu prophezeien: nach der (für mich sicheren) Wahl Obamas, bleiben die Essentials auf dem Plateau, dass die Konsorten Bush/ Cheney/ Rice/ Rumsfeld/ Wolfowitz and so on aufgebaut haben, eingefroren – mit kleinen taktischen Schönheitsreparaturen, die dann von „gemäßigten Kräften“ als wunderbare Fortschritte gefeiert werden können.

 

Das Finanzsystem wird bleiben, wie es ist und deren unantastbare Macht.

Die soziale Ungerechtigkeit in den USA wird bleiben, vielleicht mit dem Schleifchen einer halbherzigen Gesundheitsreform und ein bisschen weniger öffentlichem Rassismus.

Die USA wird weiter aufrüsten und aufrüsten und aufrüsten und im NATO-Verbund weitere Angriffskriege führen – bei gedämpfterem offiziellen Tonfall.

Der „Krieg gegen den Terror“ wird fortgesetzt werden, respektive der Kampf gegen (alte und womöglich neue) Schurkenstaaten.

Die USA wird sich aus KEINEM Land, in dem es heute bewaffnet steht, zurückziehen.

Die USA werden Hauptklimakiller, Hauptressourcenverschwender und Hauptschuldner der Welt bleiben.

 

 

Und irgendwann wird –wenn überhaupt- der scheinkritische mediale Katzenjammer losgehen: „Obama habe seine Versprechen nicht gehalten. Unter Obama ist es ja gar nicht „besser“ geworden, usw.“ Werden dann wohl radikalere Lösungsansätze ins Spiel gebracht werden, oder Politiker anderer Art aufgestellt werden? Aber sicher nicht!!! Denn dann wird die gute alte Alternative wieder heißen: „Jetzt müssen wieder die Republikaner `ran. Die sicher bis dahin den einen oder anderen T-Party-Fundamentalisten in Stellung gebracht haben werden, vor dem es den Rest der Welt (oder besser gesagt den Staaten die nicht zur „westlichen Wertegemeinschaft“ gehören) grausen wird… Und so wird alles beim Alten bleiben. Es wird Sende- und Gedankenzeit mit scheinbar erhitzen Debatten gefüllt werden und die Leute werden wieder vor einer grandiosen (Schicksals-) „Wahl“ stehen, die bei nüchternem Lichte besehen, gar keine ist…

 

Ich hoffe inständig, dass ich unrecht habe. Allein, ich befürchte, es wird nicht so sein.

 

 

Berlin, 1.September 2008