Industrie und Melodie

Der Titeltrack ist musikalisch und textlich (…) vielleicht der beste Kraftwerksong aller Zeiten, der nicht von Kraftwerk stammt.

Hauke Schlichting, Raveline 2/07

15,00 

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Produktion
Credits
Tracklist

Gedanken

I
ROTES QUADRAT AUF SCHWARZEM GRUND, geschrieben 1998:

Ich sass in meinem Studio und hatte eine Idee: Musik machen, die ich Ende der 70er / Anfang der 80er gerne hätte machen wollen, aber nicht machen konnte, da die dafür benötigten Produktionsmittel für mich zur damaligen Zeit unerreichbar waren und nur in meinen Träumen existierten.

Es sollte Rückbesinnung, Neuverarbeitung und Hommage an das kulturelle Erbe vornehmlich in Deutschland entstandener elektronischer Musik der 70er Jahre werden. Ich richtete mir einen speziellen Arbeitsplatz ein, der nur mit diesen wundervollen Instrumenten dieser Epoche bestückt war und legte los…

Ich nannte das Projekt in Anlehnung an den russischen Suprematismus und Konstruktivismus „Rotes Quadrat auf Schwarzem Grund“. Es entstanden eine ganze Menge in sich abgeschlossene, elektronische Kurzgeschichten in Krautrocksprache:

Sie handeln etwa von einer abenteuerlichen „Reise durch den Süden“, dessen „Sonnenschein“ einen Mitteleuropäer durchaus zu einer verschrobenen Elegie hinreißen lassen kann oder von dem Atomphysiker Wolfgang Pauli, dessen Schicksal es zu sein schien, daß seine Versuchsreihen immer dann schief gingen, wenn er das Experimentallabor betreten wollte. Da gibt es sprechende Computer, die sich über den zeitgeistigen Lebensstil ihrer menschlichen Erfinder und Benutzer mokieren, Roboter, die in Maschinensprache singen oder in ihrer nicht-rostenden Körperlichkeit zeitübergreifend Elektro-Boogie tanzen. Die Geschichten erzählen von kindlichen Ausflügen per Eisenbahn ins „Wunderland“ oder pathetischen in die „Sowjetunion“… Sie entwerfen eine neue Tanzsuite für das „Triadische Ballet“ des Dessauer Bauhauses oder beschreiben die spukhafte Atmosphäre des Berliner S-Bahnknotenpunktes „Ostkreuz“ in einer düsteren Novembernacht … durchzogen von Episoden des alltäglichen Lebens wie „Erlebten Zufällen der Gleichzeitigkeit“, dem Aufstehen nach „Schlechtem Schlaf“, dem besseren Fernsehprogramm beim Blick ins „Aquarium“, bis hin zur „kleinen feinen Traumschleife“ als Möglichkeit der Auszeit irgendwo und überall …

II
I certainly have experienced coincidences of a synchronistic nature

Die zwischen November 1997 und Januar 1999 entstandenen Stücke des „Roten Quadrats“ höre ich heute als Fortsetzung und (Weiter-) Entwicklung von „14 Pieces – selected Works“, denn sie entstanden in einer ebenso spielerischen Atmosphäre der inspirierten Leichtigkeit. Spannte ich bei „14 Pieces“ einen sehr offenen stilistischen Bogen, so lag der Reiz beim „Quadrat“ in der Konzentration auf eine einzige Klangvorstellung. Die Stücke kommen nun als „industrie & melodie“ mit einer – vernachlässigbaren – Verzögerung von sieben Jahren im Dezember 2006 heraus. Genau so, wie sie damals final abgemischt worden waren.

i certainly have experienced coincidences of a synchronistic nature

neunzehnhundertachtundsechzig neunzehnhundertundelf neunzehnhundertfünfzig zweitausendzehn

zeitroboter
gestern – heute – morgen zeitroboter

zukunft zukunft zukunft

die reise durch den süden
die reise durch den sonnenschein

ein luxusgut für jedermann. ein auto und
tv – programm.

pauschalurlaub,

III
Texte

erlebnisraum.
per joystick in den cyber-traum.

ein film beschreibt die wirklichkeit
in digitaler natürlichkeit.

vollkommen ist die illusion, durch marketing in perfektion.

unsichtbare energien, austauschbare strategien.

schönheit, lust: berechenbar. alle träume werden wahr.

er war ein extremer theoretiker, der von experimenten
wenig ahnung hatte.

aber den merkwürdigen effekt, immer, wenn er in ein experimentallabor reinkam, dann schienen die versuche fehl zu gehen…




schönheit, lust: berechenbar. alle träume werden wahr.

IV
„Familienaufstellung“ – elektronische Musik

An vielen Stellen habe ich mich immer wieder auf das Protagonisten-Viereck bezogen, das mich in der Hauptsache dazu gebracht hat, selbst elektronische Musik machen zu wollen. Hier eine etwas aus-führlichere „Familienaufstellung“. Gerade aus dem Hintergrund von „industrie & melodie“ wird nachvollziehbar, wie stark mich die Generationen 1 und 2 beeinflußt haben .

Generation 1 ( zu Unrecht im Schatten des Vierecks Kraftwerk- TD – Sakamoto – Vangelis) :

Can, Moebius, Roedelius, Cluster, Eno, Harmonia/Michael Rother, Neu/La Düsseldorf, The Residents, Yello, David Sylvian, Pinguin Cafe Orchestra, Pink Floyd

Generation 2 (leider war ich noch zu klein, um damals schon mitspielen zu können…):

Laurie Anderson, Goebbels-Harth, Der Plan/Pyrolator, FSK, Heaven 17, DAF, Malaria, Die Tödliche Doris, Tom Dokupil/Siluetes 61, Holger Hiller, Reifenstahl, FM Einheit/Neubauten, Tuxedo Moon, Material/Bill Laswell, Talking Heads, Afrika Bambataa, Richard Kirk, A certain Ratio, The Human League, Art of Noise/Trevor Horn, Joy Division/New Order, Palais Schaumburg

Kritiken

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