Zweifel und Konsequenz

9:15

weiterhin fühle ich mich nicht wirklich gut. Ich bin entfernt von ruhe, von innerem lächeln, ich fühle mich nicht aufgehoben, ohne richtigen halt. dinge von außen – das theaterprojekt –  dominieren meine autonomie, meine meinigkeit.

eine ernsthaft überdenkenswerte frage: ist eine arbeit in einer dreissigköpfigen gruppe noch etwas für mich? Ich merke, wie mich die eifrig geführten gruppen-diskussionen langweilen, weil sie ein austausch an gelaber sind, an dem jeder glaubt, sich beteiligen zu müssen. schade um die zeit!

ich konstatiere, dass ich sowas früher mochte, aber muss das heißen, dass ich es auch jetzt noch mögen muss? (Fleisch esse ich auch nicht mehr, obwohl ich es einmal gerne tat). wo ist der unterschied zur jetzigen situation ?

das allgemein menschliche dilemma besteht darin zu glauben: erst, wenn die (alltags-) dinge erledigt sind, kann das eigentliche leben beginnen. Nun besteht eigentlich fast der gesamte tag aus momenten, in denen man sich mit alltäglichen dingen beschäftigt: e-mails lesen, einkaufen gehen, essen kochen, dateien sichern, s-bahn fahren, staub wischen, abspülen … macht man diese dinge unbewusst und immer mit dem gedanken, diese (ungeliebten) normalprozeduren schnell hinter sich zu bringen (um danach endlich „zu sich“ zu kommen – was dann nie passiert, weil es immer noch etwas gibt, was erledigt werden muss, um endlich belohnt zu werden – von wem eigentlich und mit was???), dann vergisst man, dass man auf diese weise fast den gesamten tag ( eigentlich das GESAMTE LEBEN) unbewusst „über die Bühne bringt“.

KANN ES DAS SEIN ? ich will das abenteuer des moments erleben !! in der gegenwart sein heißt, eine liebeserklärung zu machen an das, was ich selbst gewählt zu meinem „ganz alltäglichen“ bestimmt habe. nur dann, wenn ich das als mein leben begreife, lebe ich! Also: wenn ich esse, dann esse ich. wenn ich lese, dann lese ich. wenn ich mich mit jemanden treffe, dann treffe ich jemanden – und bin mit meinen gedanken nicht schon wieder woanders.

je älter ich werde, je mehr und mehr entscheide ich mich dafür, nur noch dinge zu tun, die ich gerne tue– der intuitive bezug muß stimmen. Ist (selbst-) überwindung im spiel, fangen die inneren geschichtenerzähler an mit tausend „vernünftigen“ gründen auf dich einzureden, lass die finger davon: vertane energie, vertane lebenszeit!